Category: HD-History

Brezel-Buden in Heidelberg: Kennt Ihr noch Ams-Brezeln?

Kennt Ihr noch die „Brezelstände“ in der Heidelberger Hauptstraße? Diese Holzbuden sind in Heidelberg schon längere Zeit verschwunden. In Mannheim gibt’s solche Verkaufsstände noch. Aber wer steckt hinter dem Geschäft mit der Brezel?

Ein Verkaufsstand von Ams-Brezeln in Mannheim.

Ein Verkaufsstand von Ams-Brezeln in Mannheim.

Ich weiß nicht mehr wie lange das schon her ist, allerdings kann ich mich noch daran erinnern, dass in der Heidelberg Fußgängerzone früher mehrere Holzbuden standen, in denen frische Brezeln verkauft wurden. Als kleiner Junge bekam ich manchmal nach dem Einkaufbummel noch ein solches Laugengebäck. Doch die Verkaufsstände sind mittlerweile aus der Fußgängerzone verschwunden.

Hinter den Brezelbuden steckt die Firma Ams – die erste Mannheimer Brezelfabrik. Sie wurde vor über 100 Jahren (1. August 1900) von Josef Ams in Mannheim gegründet. „Die damals schon stets frisch gebackenen Laugenbrezeln wurden über sogenannte ‚Fliegende Händler‘ im gesamten Stadtgebiet von Mannheim feilgeboten. Dieses, für die Mannheimer Region damals relativ unbekannte, Gebäck schmeckte den Mannheimer Bürgern derart gut, daß schon im Jahre 1910 die Brezel als das Mannheimer Nationalgebäck in aller Munde war“, heißt es dazu auf der Webseite der Brezelfabrik.

Später wurden die Ams-Brezeln dann immer mehr an „Brezelständen“ verkauft. Damals waren das einfache Hocker, auf denen gefüllte Brezelkörbe standen. 1925 entstand einer der „modernsten Backbetriebe Deutschlands“, heißt es weiter. Der 1. Durchlaufofen der Firma „Werner & Pfleiderer“ stand zudem in der Mannheimer Brezelfabrik. In Heidelberg wurden die Ams-Brezeln auch verkauft.

Heute wirbt die Firma Ams mit einer der „modernsten Brezelproduktionen Europas“. 1995 wurden die Verkaufsstände in Backpavillons umgewandelt. Diese stehen heute immer noch in der Mannheimer Fußgängerzone, während in Heidelberg die Brezel-Buden vollständig verschwunden sind.

Weiter Infos zu den Ams-Brezeln unter www.ams-brezel.de

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Heidelberger Studenten-Knast: Saufgelage hinter Gittern

Kürzlich war ich im Heidelberger Studenten-Knast. Ich habe zwar nichts angestellt und Student bin ich auch nicht mehr. Aber bei einer Stadtführung besichtigten wir den sogenannten Studentenkarzer in der Augustinergasse. Im Studenten-Kerker ging es damals eher lustig zu: Saufgelage statt trüber Stimmung!

Heidelberger Studentenkarzer in der Augustinergasse

Heidelberger Studentenkarzer in der Augustinergasse

Im Studentenkarzer wurden von 1778 bis 1914 ungezügelte Studenten eingesperrt. Die Uni besaß zu dieser Zeit noch ihre eigene Gerichtsbarkeit. Ein Amtmann konnte Studenten für ihre „Kavaliersdelikte“ Karzerstrafen verhängen. Nächtlicher Radau, Trunkenheit und Kneipenstreitereien: Das waren meist die Gründe für einen Aufenthalt im Heidelberger Studentenkarzer (lateinisch carcer: Kerker).

Der Arrest dauerte – je nach Delikt – zwischen drei Tagen und vier Wochen. Die Studenten durften ihre Vorlesungen aber dennoch besuchen. Die ersten Tage bekamen sie nur Wasser und Brot. Später durften sie sich auch Wein und andere Köstlichkeiten bringen lassen – wenn sie es sich leisten konnten. Und die meisten konnten es sich leisten, da sie aus vornehmen Familien stammten.

So entwickelten sich die Karzer-Aufenthalte mit der Zeit zu regelrechten Saufgelagen. Die Studenten sahen einen Karzeraufenthalt auch mehr als Spaßausflug statt Strafe an. Ein „Besuch“ im Karzer galt bei den Burschenschaften als „cool“ und war angesehen. Die Studenten provozierten daher gerne den Kerker-Aufenthalt durch feucht-fröhliche Streiche.

Und da sie stolz darauf waren im Karzer zu sein, verewigten sie ihre Taten mit Wandmalereien. Noch heute können Besucher die Karzer-Graffiti bestaunen. So steht an einer Wand geschrieben: „Einer für Alle, Alle für Einen! Weil wir als ehrliche Leute 5 auf der Strasse gefundene Bausteine auf der Polypei ablieferten, indem wir sie mit der Bezeichnung Fundobjekt in die Wachstube warfen, sitzen wir hier als Märtyrer unserer Ehrlichkeit!“

Saufgelage statt trüber Stimmung: Die Studenten verewigten ihre Taten als Wandmalereien.

Saufgelage statt trüber Stimmung: Die Studenten verewigten ihre Taten als Wandmalereien.

Die Studentengruppe wird wohl ein paar feucht-fröhliche Tage im Karzer verbracht haben. Wer im Karzer saß, musste auch keinen Karriere-Knick in seiner akademischen Laufbahn befürchten. Im Gegenteil: Es gehörte fast zum guten Ton. Ein richtiger Student, sollte eben mindestens einmal im Karzer gesessen haben.

Der Studentenkarzer gehört heute zu den Touristenattraktionen in Heidelberg. Weitere Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen gibt’s unter: www.heidelberg-marketing.de

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Heidelberger Schloss: World Famous „Trümmerhaufen“

Es ist kaputt, aber beliebt: Das Heidelberger Schloss ist vielleicht die berühmteste Ruine Deutschlands. Im vergangenen Jahr haben über eine Million Menschen das Heidelberger Wahrzeichen besucht. Die Schlossruine ist das Flaggschiff, der Spitzenreiter, die Nummer eins unter den „Trümmerhaufen“.

Die Heidelberger Schlossruine

Die Heidelberger Schlossruine: Kaputt, aber millionenfach fotografiert

„The fucking castle is fucking broken!“ Ich weiß nicht mehr genau, wer das sagte. Aber es muss ein Austauschschüler gewesen sein, der einmal Heidelberg besuchte.

Ja, das Heidelberger Schloss ist kaputt, aber verdammt beliebt – vor allem bei Touristen. So wurde die Schlossruine laut einer Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) im Jahr 2012 zur Nummer 1 unter den 100 deutschen Orten gewählt, die man gesehen haben muss. Da sehen selbst Schloss Neuschwanstein (Platz 2 ) und der Kölner Dom (Platz 3) alt aus.

Von der Burg-Festung zum Residenzschloss der Kurfürsten bis hin zur weltberühmten Schlossruine: Im 13. Jahrhundert erbaut, immer wieder erweitert und verschönert, im Pfälzischen Erbfolgekrieg (17. Jahrhundert) zerstört und dann teilweise restauriert – so thront das romantische Bauwerk noch heute majestätisch über dieser Stadt.

„Das Heidelberger Schloss bleibt auch in künftigen Jahren das Flaggschiff und der Spitzenreiter unter den Monumenten in Südwestdeutschland“, sagte kürzlich Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Recht hat er, der gute Mann!

Weitere Infos unter www.schloss-heidelberg.de und www.heidelberg-marketing.de

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Perkeo von Heidelberg: Kleiner Hofnarr mit 14 Promille

Kleiner Mann mit großem Durst: Perkeo! Der kleinwüchsige Hofnarr ist eine der schillerndsten Figuren der Heidelberger Geschichte. Viele kuriose Anekdoten ranken sich um den Hofzwerg, der jeden Tag 15 Liter Wein getrunken haben soll. Seine Todesursache war aber eine ganz andere.

Perkeo von Heidelberg

Perkeo-Statue am Restaurant „Perkeo“ in der Heidelberger Hauptstraße

Es gab ihn wirklich: Sein Name Giovanni Clementi, geboren 1702 in Tirol. Hutmacher, rothaarig, trinkfest, 1,10 Meter groß und 100 Kilo schwer. So wird der kleine Mann beschrieben. Den Spitznamen „Perkeo“ bekam er, weil er angeblich auf die Frage, ob er einen Schluck Wein trinken möchte, stets antwortete: „Warum nicht?“ (italienisch: „Perche no?“)

Karl Philipp, Kurfürst von der Pfalz (1716 bis 1742), hat ihn um 1720 aus Tirol nach Heidelberg gebracht. Perkeo soll ihm dort wegen seiner winzigen Körpergröße und seinem vorlauten Mundwerk auf einer Reise aufgefallen sein. Daraufhin wurde er als Hofnarr für den kurfürstlichen Hof engagiert. Doch der kleine Spaßmacher machte Karriere und wurde später als Wächter vom Großen Fass (rund 200.000 Liter – etwa 266.666 Flaschen) im Heidelberger Schloss berühmt.

Damit kein Dieb den Wein klaute oder gar Gift in den Weinbehälter mischte, wachte damals der kleine Perkeo am Fass. Doch er hat nicht nur auf den Rebensaft aufgepasst, sondern auch gerne davon probiert. So soll er Geschichten zufolge täglich bis zu 15 Liter Wein getrunken haben. Das wären bei seinem Körpergewicht etwa 14 Promille im Blut. Auch wenn das nicht nach gesundem Lebenswandel klingt, Perkeo starb der Legende nach nicht an seinem maßlosen Alkoholkonsum. Einmal hat er ein Glas Wasser getrunken – dann war er tot. Das hatte ihm der Arzt verordnet.

Doch warum überhaupt ein solch großes Fass? Es soll als Sammelbehälter für den sogenannten Zehntwein in der Kurpfalz gedient haben. In der damaligen Zeit mussten Winzer einen Teil ihres Weines an den Landesherren abgeben. Sozusagen eine zehnprozentige Steuer in Naturalabgaben. Die „Weinsteuer“ wurde zusammengepanscht und im große Fass gesammelt. Aber das Fass war nicht nur Sammelbehälter und Vorratsspeicher, sondern auch Prestige-Objekt der Kurfürsten. Seit 1591 gab es vier große Fässer auf dem Heidelberger Schloss. Noch heute gilt das Heidelberger Fass (1751 errichtet, 228.000 Liter) als das größte und prachtvollste Europas und ist ein Touristenmagnet.

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Besuch beim Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa: „Heit haw ich de Adam g’funne“

Radtour zum Homo heidelbergensis: Samstag, schönes Wetter. Da bietet sich doch ein Ausflug an. Und warum nicht mal einen Ur-Vorfahren besuchen. Also habe ich mich aufs Rad geschwungen und bin 20 Kilometer nach Mauer geradelt. Denn hier wurde er vor über 100 Jahren gefunden: der erste „Heidelberger“ – zumindest das, was von ihm übrig blieb.

Homo heidelbergensis

„Daniel Hartmann fand am 21. Oktober 1907 in 24,6 M. Tiefe 93 M. von hier den Homo heidelbergensis“, steht auf diesem Stein.

In Mauer (rund 4.000 Einwohner) weist ein Schild den Weg zur historischen Fundstelle. Unweit eines Supermarktes führt ein schmaler Waldweg zur Sandgrube Grafenrain, in der Sandgrubenarbeiter Daniel Hartmann im Jahr 1907 den Fund seines Lebens machte. Am Wegrand sind ein paar Infotafeln angebracht – leider sind diese in keinem besonders guten Zustand (Farbe verblichen, Holz modrig).

Infotafel

Hat auch schon bessere Zeiten gesehen: Infotafel an der Fundstelle

Ein paar Meter weiter dann ein Felsbrocken mit der Aufschrift: „Daniel Hartmann fand am 21. Oktober 1907 in 24,6 M. Tiefe 93 M. von hier den Homo heidelbergensis.“ Ok, ich habe mir diesen wichtigen Ort der Menschheitsgeschichte dann doch etwas spektakulärer vorgestellt, aber wie dem auch sei: Hier wurde also mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa (weiß jetzt nicht genau wie viele Ur) gefunden. Genauer gesagt: sein Unterkiefer.

Der Unterkiefer von Mauer galt lange Zeit als ältester Urmenschen-Fund in Europa. Mittlerweile wurden in Südeuropa auch noch ältere Knochen ausgegraben. Die neusten wissenschaftlichen Untersuchungen gehen davon aus, dass der Unterkiefer über 600.000 Jahre alt ist. Damit ist belegt, dass bereits vor so langer Zeit Menschen in unserer Region lebten. Der „Heidelbergmensch“ war wohl 25 bis 30 Jahre alt und starb vermutlich in der Nähe der Fundstelle. Er konnte bereits aufrecht gehen und lebte als Jäger in den hiesigen Wäldern.

Es wird erzählt, dass dem Finder des Unterkiefers, Daniel Hartmann (seit 1948 Ehrenbürger von Mauer), sofort klar war, dass er einen wichtigen Fund gemacht hatte. So soll er noch am gleichen Abend in einer Wirtschaft gesagt haben: „Heit haw ich de Adam g’funne.“ Heute liegt das Original des Unterkiefers im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg.

Der berühmte Unterkiefer von Mauer

Der berühmte Unterkiefer von Mauer

Der Name Homo heidelbergensis geht übrigens auf Otto Schoetensack zurück. Der Forscher hatte bereits 1908 den Unterkiefer wissenschaftlich beschrieben. Er gab damit einer ganzen Spezies die Gattungsbezeichnung Homo heidelbergensis.

Der Homo heidelbergensis tauchte nach heutigem Wissen bereits vor 700.000 Jahre in Afrika auf, wanderte nach Europa aus und verbreitete sich hier – eben auch in der Region Heidelberg. Zudem soll er in der weiteren Entwicklung des modernen Menschen eine Rolle gespielt haben. Demnach wären vielleicht alle Europäer ein bisschen Heidelberger.

Hinweis: Der Original-Unterkiefer des Homo heidelbergensis ist vom 10. März bis 28. April jeden Sonntag von 11 bis 17 Uhr im Heid’schen Haus in Mauer zu sehen. Die Sonderausstellung heißt „Scharfe Sachen und mehr“. Der Eintritt ist frei.

Weitere Infos unter www.homoheidelbergensis.de und www.gemeinde-mauer.de

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Warum heißt Heidelberg eigentlich Heidelberg?

Ortsschild Stadt Heidelberg

Ortsschild Stadt Heidelberg

Sie ist klein und blau. Sie ist gesund und wild: Die Heidelbeere. Und womöglich ist
die kleine Frucht auch der Namensgeber für die Stadt Heidelberg. Das vermuten zumindest
Forscher. Denn es gibt dafür deutliche Hinweise.

Das blaue kleine Früchtchen also. Nach der Heidelbeere (lateinisch Vaccinium myrtillus), auch Blaubeere genannt, soll die Stadt Heidelberg benannt sein. Endgültig kann heute zwar niemand sagen, warum Heidelberg eigentlich Heidelberg heißt. Aber für die Heidelbeere spricht einiges.

Dass viele Forscher den Namen von der Heidelbeere ableiten, erwähnt auch Oliver Fink in seiner Kleinen Heidelberger Stadtgeschichte. Denn diese soll in der Stadt „ausgiebig gewachsen“ sein. „Die Mittelsilbe ‚beer‘ wäre dann im Namen ausgeklammert worden, was Sprachwissenschaftler auch in anderen Fällen schon beobachtet haben: Klammerform nennt man das“, schreibt Fink. So wurde womöglich aus Heidelbeerberg später Heidelberg.

Die Heidelbeer-Theorie scheint für den Philologen Rudolph Kettemann „die wahrscheinlichste zu sein.“ (Heidelberg im Spiegel seiner ältesten Beschreibung, 1986). Bereits im 15. Jahrhundert formulierte der Frühhumanist Peter Luder: „Hier ist eine Stadt gelegen, uralt, mächtig durch Waffen und durch den Reichtum der Scholle, vielbesucht Fremden mit zahlreichen Einwohnern. Diese Stadt nannten die Kelten nach den Beeren eines winzigen Strauches Heidelberg.“

Auch das Siegel der Universität Heidelberg stützt diese Erklärung. Denn darauf sind Heidelbeerzweige abgebildet. Davon gehen zumindest Wissenschaftler aus. Der Historiker Thomas Haffner erklärte 1992 in Die Heidelbeere im Siegelbild? Gedanken zur Ikonographie des Großen Siegels der Universität Heidelberg: „Aber gerade für Heidelberg scheint die Heidelbeere eine größere Bedeutung gehabt zu haben. Sie muß dort so häufig vorgekommen sein, daß man schon früh den Ortsnamen etymologisch mit ihr in Verbindung brachte.“

Auch mein Vater erzählte mir kürzlich, er habe als kleiner Junge in den
Heidelberger Wäldern Heidelbeeren gepflückt. Es habe dort viele gegeben. Das muss so in den 1950er Jahren gewesen sein. Doch die Heidelbeersträucher sind verschwunden. Der Name Heidelberg allerdings bleibt. Und ohne die kleine blaue Beere würde die Stadt womöglich gar nicht so heißen.